Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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10= Herzogin aus der Wachtſtube der Reiſigen geholt, als Wacht⸗ poſten an den Eingang geſtellt und jetzt erſt den Weg nach der Herzogin Zimmer genommen, wo er kurz vorher im mit⸗ ternächtigen Gebete mit ihr für den Mord und die Untreue des Gemahls Gottes Verzeihung erfleht hatte, denn Marga⸗ garethe war, nach der Rückehr vom Gemahl, in einem Zu⸗ ſtande tiefſten Seelenſchmerzes, in Thränen ausgebrochen und von der leichtfertigen Unwahrheit, womit der Herzog ihre heiligſten Gefühle gekränkt hatte, in ihrer Gattinnenehre und ſittlichen Würde auf's Aeußerſte gedemüthigt worden. Henricus fand ſie auch jetzt vor ihrem Betpulte auf den Knieen in heftigſter Bewegung. Als ſie den Beichtvater und Vertrauten bemerkte, ſchien ihr ſonſt ſo ſanfter Blick be⸗ ſchämt vor der ſchmerzlichen Miene des Freundes; auf ſeine tröſtenden Worte ergriff ſie das Tuch und zeigte es ihm ſchweigend. Er verſtand ihren Blick es trug dieſes rothe Tuch das Zeichen des Löwen und gehörte zu denen, welche als Behang der Stuhllehnen in des Her⸗ zogs Gemächern dienten.O! ſeufzte ſie, als Hen⸗ ricus mit gefalteten Händen auf das Tuch niederſah er hat Liebe und Achtung gegen mich verloren, ich bin nicht mehr ſein Weib, was mir theurer war, als ſeiner Krone Genoſſin; er übt nicht mehr die gemeinſte Rittertugend an mir, die das Weib eines Edelmannes mit dem wilden Trei⸗ ben der Männer allein noch zu verſöhnen vermag er hat meines Herzens Angſt und gerechte Forderung mit unwahren Lippen verſpottet, hat mich vor dem Mädchen, das ihn, den ich als Gattin ehren ſoll, verachtet und es mir nicht aus Mitleid einzugeſtehen wagt, erniedrigt! Mein Schickſal