—
—
—
— 9—
nieder warf und ſie anflehte, mich weit fortzuſchicken, damit ich ihre Ruhe nicht mehr kränke.— Sie antwortete nicht— ihr Blick haftete am Boden. Ein Gegenſtand feſſelte ſie, ſie befahl dem Pagen, ihn aufzuheben; es war das Tuch, das ich vom Geſichte geriſſen hatte;— ſie beſah es, ein Zeichen war darin geſtickt, ſie zuckte, athmete ſchwer, gab einen Wink und entfernte ſich langſam. Die alte Wärte⸗ rin, mit einer brennenden Kerze, war unterdeſſen ebenfalls angekommen, die Herzogin antwortete ihr nicht; unwillig eilte die Alte auf mich zu, warf mir vor, die Ruhe der Fürſtin zu ſtören, und wünſchte mich fort an das Ende der Welt. In einem wehmüthigen Gefühl ſuchte mein Btick den Pater und ſeine Milde gab mir Troſt.—„„Arme““, — ſagte er—„„kehre in Dein Gemach zurück, dieſe Nacht wird ruhig vergehen.““— Ich folgte an ſeiner Hand der mürriſchen Wärterin; die Thür im Getäfel wurde verriegelt, Henricus blieb draußen im Saal zurück.“—
Helmold hatte nicht gewagt, die Mittheilung Gertrude's durch irgend ein Wort zu unterbrechen; geſpannten Ohres horchend, hatte er die Geliebte feſter umarmt und ſeinen Blick tief in ihre braunen Augen gebohrt.
Wir wollen die Ereigniſſe auch in denjenigen Begeben⸗ heiten und inneren Zuſtänden weiter berichten, wovon Ger⸗ trude nicht Zeuge geweſen war, und die ſie ſpäter nur durch Ahnung, Nachdenken und Erfolge im Allgemeinen kennen lernte.
Henricus hatte auf ſeinem Rückwege durch Saal und Gallerie die Thüren zum Altane und Corridore ſorgfältig wieder geſchloſſen, dann einen Hellebardier im Namen der


