gelte vor der engeren Dienerſchaft der Herzogin als eine Gehülfin der Wartefrau des Prinzen.““—
„Ich war die Nacht im Zimmer allein; die Wärterin ſchlief nebenan bei dem Kinde,— meine Aufregung erlaubte mir nicht, zu ſchlafen, ich hörte aus der Ferne durch die nächtige Stille das Lachen, Singen und Rufen der zechenden Ritter im gegenüberliegenden Flügel der Burg. Da horchte ich nach einem Geräuſch ganz in der Nähe, als ob eine Maus in der Wand nage; der Mondſchein erleuchtete mein Gemach hell, die Kerze hatte ich ausgelöſcht, um mich dem Fenſter nähern zu können, ohne von Unten erkannt zu werden; ich war ſchreckhaft, denn der Anblick der Leiche eines Menſchen, der noch kurze Zeit vorher lebendig vor mir ſtand, wich nicht von mir und ich bebte bei dem Ge⸗ danken, daß er ein Opfer meiner Rettung geworden ſei. Plötzlich lüftete ſich ein Getäfel in der Wand; eine geheime Thür, die ich nicht bemerkt hatte, bewegte ſich, ein er— wachſener Knabe trat ein— ich erkannte einen Pagen der Herzogin.— Er flüſterte meinen Namen und ſagte:„Die Herzogin verlangt nach Euch, folgt mir!“ Er nahm meine Hand und führte mich gegen die enge Thür, durch die er getreten war. Im Nebenzimmer der Wärterin begann der Prinz zu weinen— ich hörte der Oelbecken Stimme. Ich fühlte, wie die Hand des Pagen mich eiliger fortzog. Ein Saal that ſich vor mir auf, das Mondlicht beleuchtete alte Ritterbilder mit bleichen, geiſterhaften Geſichtern an den Wänden; eine zweite Thür ſchien ſich von ſelbſt zu öffnen und ich glaubte im Halbdunkel eine blitzende Bewe⸗ gung zu ſehen. Plötzlich ergriff mich eine große Angſt, ich


