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ihre Gemächer; hier befahl ſie ihm, mich ſicher zu hüten und zu bergen. Ich wurde der Frau Oelbecken als eine Schutzbefohlene und Dienerin der Herzogin übergeben, die mich in ein Gemach brachte, wo ſie mir Aufmerkſamkeit und Bequemlichkeit erwies; ihre Neugier befriedigte ich nicht, das ſchien ſie verſtimmt und einſilbig zu machen. Als ſie nach einer Stunde wieder zu mir trat, ſah ſie mich prüfend und mißtrauiſch an, ſeufzte und ſprach:—„„Bringe kein Unglück in's Haus, Mädchen— was haſt Du der Herzogin gethan?““— Ich wußte nicht darauf zu antworten.— „„Du haſt das Leben meiner Herrin getrübt““— fuhr ſie mürriſcher fort—„„die edle Frau zerfließt in Thränen, der Pater ſucht ſie zu tröſten, ich hörte Deinen Namen nennen. Haſt Du des Herzogs Augen bethört und zur Ungerechtigkeit verführt?““— Ich ſah ſie beſtürzt an.— „„Führt mich zur Herzogin““, bat ich,„„daß ich ihre Thrä⸗ nen auffange und über mich nehme— o Gott! was habe ich verſchuldet, daß ein Engel über mein Schickſal weint!“— Sie ſchwieg, ſah mich zweifelhaft an und ging. Bald darauf kam Henricus zu mir. Er ſah leidend, ernſt aus, ich eilte auf ihn zu, flehete ihn an, der Herzogin zu ſagen, daß es nicht der Herzog geweſen ſei, der Gewalt an mir geübt habe. — Der Pater ſchloß mich in ſeine Arme, küßte meine Stirn, ſah mir ſo ſanft und doch ſo tiefeindringend in die Seele, daß ich die Augen niederſchlug, und ſprach unendlich mild: —„„Ich ehre Dein ſchonendes Gefühl, liebes Kind— die Herzogin wird es Dir danken; aber ich weiß, was Du ver⸗ ſchweigſt und leugneſt; wir wollen morgen nachſinnen, wie Du behütet werden kannſt und wo Du bleibſt;— einſtweilen


