Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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von der einfachen Ausſtattung einer Mönchswohnung. Kaum hatte Henricus die Thür geſchloſſen, als die Liebenden, in ſeligem Anſchauen ſtumm und doch mächtiger redend als mit Worten, ſich von Neuem in die Arme fielen. Das Trompetengeſchmetter des eben in die Burg einreitenden Tournierzuges, das Geräuſch der Stimmen und Pferde, das entferntere Getöſe des Volkes mahnten ſie an die Zeit und den Ort ihres ſtillen Aſyls.

Fahre fort! ſagte Helmold, den ſchönen Leib des Mädchens auf ſeine Schenkel niederzwingend, indem er ſich auf den Stuhl ſetztedie grämliche Frau Oelbecken iſt mürriſch gegen Dich, ſagteſt Du, weil Du der Herzogin großes Leid verurſacht habeſt?

Ja, großes Leid, das ich ihr Zeit meines Lebens nicht vergelten kann, wenn ich auch bis zu ihrem Tode die treueſte Dienertn bleibe; höre mein ferneres Schickſal.

Gertrude erzählte nun ihr Abenteuer im Zimmer unter der Warte auf Schloß Harſte, die Erſcheinung der Herzo⸗ gin, den Anblick der Leiche.Ich konnte es nicht über die Lippen bringen, daß der Herzog an mir gefrevelt habe; der Anblick der edlen, erregten Frau erfüllte mich mit der gleichen Andacht, als ſtände ich vor einer Heiligen; es wäre mir unmöglich geweſen, die himmliſche Würde dieſes Engels durch eine Thatſache zu trüben, die deſſen Ehre und Herz tief gekränkt haben würde. Sie ſchien zu fühlen, was ich empfand, als ich den Herzog verleugnete, und ſie fragte mich nicht mehr; aber ein Blick, der ebenſoviel Schmerz, wie Dankbarkeit war, redete mehr als jegliche Frage. Ich folgte ihr und dem hinzugekommenen Pater Henricus in