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den und ſelber auserwählt, um das Leben miteinander in Freude und Leid zu theilen— Gott ſei mit Euch!“—
—„O, meines Herzens Freund!“— ſprach Gertrude im geſicherten Gefühle des Beſitzes und im leuchtenden An⸗ ſchauen des Mannes, dem ſie vertraute—„Du weißt noch nicht mein ganzes Leid um meines Lebens Reinheit und Freiheit;— ſieh' dieſen ehrwürdigen Prieſter,— er hat mich wie ein Vater behütet, ihm danke ich der Herzogin Gnade!“—
—„„So helfet auch mir, ehrwürdiger Pater““— ſprach Helmold—„„was ſoll ich beginnen, dieſes heißgeliebte Mädchen, um das ich ſeit vier Wochen trauerte, zu meines Hauſes Ehre und meines Herzens Befriedigung als ſittſa⸗ mes Weib vor aller Welt mein nennen zu können?““—
—„Weilet hier und theilet Euch mit, was der Liebe und für fernere Ereigniſſe zu wiſſen noth iſt; Ihr be⸗ findet Euch hier in meiner Klauſe, von wo es nicht gar weit zu den Gemächern der Herzogin iſt. Ich werde jetzt gehen, um der Herzogin Heimkehr abzuwarten und, wenn ſie allein iſt, ihr mittheilen, was ſich mit Euch ereignet hat. Eure Augen reden ſchneller miteinander, als der Mund— ich will Euch Zeit laſſen, dem Verlangen Eurer Blicke Worte zu geben.“— Henricus ſah Beide mild und mah⸗ nend an, dann entfernte er ſich durch eine Spitzbogenthür.
Der Raum, worin ſich das liebende Paar befand, war ein hohes, von Kreuzrippen getragenes Spitzgewölbe; ein farbiges Fenſter gab ihm helles Licht, eine Lagerſtätte, ein geſchnitzter Lehnſtuhl, ein eichener Tiſch und ein Kruzifix in einer kleinen Wandniſche über einer Kniebank zeugten


