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Altare neben der Sakriſtei ſein Kniee und betete. Der Geiſt⸗ liche blieb ſtehen, beobachtete den jungen Bürger mit wohl⸗ gefälliger Miene und wartete ſtill die Dauer des kurzen Dankgebetes ab; als Helmold ſich erhob, eilig nach dem Begleiter umblickte und deſſen Hand erfaßte, um den Ver⸗ zug durch ſchnellere Entfernung wieder auszugleichen, ſprach jener:—„Ich ſehe, Ihr ſeid ein guter Chriſt— dann ſeid Ihr auch ein ehrlicher Mann; Ihr habt große Ur⸗ ſache, Gott Eure Sache anheimzuſtellen, denn ſeine Hand hat merklich das Schickſal Gertrude's geleitet. So folgt mir denn!“— Henricus trat in eine kleine, hinter dem Hochaltar verborgene Pforte, die zu einer dunklen Treppe führte; als er die Thür wieder hinter dem Begleiter ſchloß, befand ſich dieſer in tiefſter Finſterniß.„Gebet mir Eure Hand“— ſagte der Mönch—„wir werden gleich wieder Tageslicht ſehen.“— Helmold folgte die ſteinernen Stufen einer Wendeltreppe hinauf, der Mönch leitete ihn dann eine Strecke auf ebenem Boden, öffnete eine eiſerne, niedere Pforte und das Licht des Tages blendete ſchnell vorüber⸗ gehend die Augen des Geführten; er hatte kaum den Blick gegen das Licht gerichtet, als ein freudiger, ſanfter Ton erſcholl, Gertrude's ſchlanke Geſtalt auf ihn zutrat und ſich in ſeine ausgebreiteten Arme ſchmiegte.—„O Pater!“ — rief Helmold in der Leidenſchaft ſeines Glücks—„ſegnet uns, damit kein böſer Feind Macht an uns habe!“— Henricus legte die Hand auf Beider Scheitel und ſprach: —„Die heilige Mutter Gottes ſei mit Euch! Ueber der Liebe geheimes Walten und guter Herzen Entſchluß und Wahl ſollen Menſchen nicht richten; Ihr habt Euch gefun⸗ 1*


