Teil eines Werkes 
2. Theil (1821)
Entstehung
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wegen wenig bekannt. Nichts deſto weniger laͤßt ſich

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entſcheiden. Gleichwohl tragen heut zu Tage die Schriften ungleich mehr zur Verbreitung der Civili⸗ ſirung bey, als alle Muſter und Vorbilder; dieſelben ſind alſo von ſehr bedeutender Wichtigkeit: zur Bil⸗ dung vorzuͤglicher Schriftſteller aber bedarf es auch verſtaͤndiger Critiker. Nun iſt aber die Critik in Italien nichts weiter mehr, als Satyre, weil die li⸗ terariſchen Beurtheilungen bloß das Werk einſiedle⸗ riſcher Schriftſteller ſind, die ſich zu Richtern auf⸗ werfen, ohne durch die oͤffentliche Meinung dazu be⸗ gewaͤltigt zu ſeyn. Die Satyre ſolcher Leute hat nichts Impoſantes, es gebricht ihr an Wahrheit, ſelbſt durch ihre Uebertreibungen verfehlt ſie ihres Zweckes, und ſcheut ſich nicht, alles, ohne Unter⸗ ſchied, Wiſſenſchaften, Literatur, Theater und ſchoͤ⸗ ne Kuͤnſte, aufzuopfern. Von aͤußerſter Wichtigkeit waͤre es demnach, eine Jury zu errichten, die ſich die Befugniß, im Reiche der Fantaſie Recht zu ſpre⸗ chen, ertheilen ließe.

In der Schweiz fehlt es nicht an wiſſenſchaftli⸗ chen und literariſchen Inſtitutionen, die, ohne ſich des Nahmens oder des Glanzes von Akademien ruͤh⸗ men zu duͤrfen, gleichwohl mit dem Geiſte eines ſolchen aus Republiken zuſammengeſetzten Bundes⸗ ſtaates harmoniren. Dieſe in einem liberalen Geiſte angelegten geſellſchaftlichen Anſtalten ſind, ob ſie gleich niemanden etwas ſchaden, ihrer Beſcheidenheit

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