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Stillſtande von zwey Jahrhunderten, neuerdings und zwar ſolcher Maßen in Gang gebracht, daß von nun an kein Herkules mehr ſtark genug ſeyn wuͤrde, die⸗ ſelbe in ihrem Laufe aufzuhalten. Dieſe Sittigung wird ihre Fruͤchte tragen; der von neuem gruͤnende Baum des Wiſſens bedarf, um in Italiſchem Bo⸗ den tiefe Wurzeln zu ſchlagen, jetzt bloß noch einer verſtaͤndigen Wartung und Pflege.
Gleichwohl ſteht zu befuͤrchten, Italien werde bey dieſem ſeinem friſchen Aufſchwunge, nach dem Beyſpiele Rußlands, anſtatt ſich eine neue, ſeinen Beduͤrfniſſen angemeſſene, Civiliſirung zu ſchaffen, ſich lediglich auf Nachahmung einer bereits vorhan⸗ denen beſchraͤnken. Eine ſolche, aus einem Lande in ein anderes verpflanzte, Sittigung aber raubt den Nationen ihren Saft und ihre Eigenthuͤmlichkeit. Es findet ſich gegenwaͤrtig in Italien des aus an⸗ dern Laͤndern dahin Verſetzten ungleich mehr, als des Selbſtgeſchaffenen, und den Maͤnnern von aus⸗ gezeichnetem Geiſte liegt es ob, dieſer immer mehr uͤber Hand nehmenden Nachahmungsſucht entgegen zu wirken. Allein gerade dieſe vorzuͤglichern Koͤpfe, auf welche ihr Vaterland ſtolz iſt, leben vereinzelt, unter ungleichen Regierungen, ohne Hauptſtadt und ohne irgend ein Band, das ſie unter einander zuſam⸗ menhielte. Sie ſind nicht im Stande, eine Behoͤrde zu bilden, der es zukäme, uͤber den Werth von Er⸗
zeugniſſen des Genies oder der Einbildungskraft zu


