Teil eines Werkes 
2. Theil (1821)
Entstehung
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nen, ſo zu ſagen, geheiligten Charakter aufgedruͤckt. Es war fuͤr den Italiaͤner gewiſſer Maßen Pflicht geworden, jeden Tag dasſelbe zu thun, weil ſich die oͤffentliche Achtung an eine ſolche Gleichfoͤrmig⸗ keit der Lebensweiſe anknuͤpfte; denn dieſe Achtung traͤgt ſelbſt etwas Gezwungenes an ſich, das ſich in jener Einfoͤrmigkeit wohlgefaͤllt. Mittlerweile waren durch eben dieß unabaͤnderliche Feſthalten an Gebraͤuchen und Meinungen, Fantaſie, Kuͤnſte und Gewerbfleiß alle mit Ein Mahl aus Italien ver⸗ ſcheucht worden. Talente koͤnnen da nichts ſchaffen, wo man nichts Neues haben will. Und ſo verſank das ganze Land in den Zuſtand einer orientaliſchen, eben ſo antriebsloſen, als jedes Widerſtandes unfaͤhi⸗ gen Erſchlaffung.

Durch die in den neueſten Zeiten uͤber Italien hereingebrochenen politiſchen Stuͤrme hat ſich der Zauber der alten Gewohnheiten geloͤſ't, das Inter⸗ eſſe des Volkes ſich auf andere Gegenſtaͤnde gewor⸗ fen und Verbindungen mit den uͤbrigen Laͤndern der Erde haben ſich demſelben eroͤffnet. Auf dem groͤßten aller Schauplaͤtze, die ſich jemahls dem Wechſel des Kriegsgluͤckes dargebothen haben, kaͤmpfte es ſich um die Entſcheidung von Italiens Schickſal. Der Kampf nahm einen ungluͤcklichen Ausgang, und zum zwan⸗ zigſten Mahle verfehlte jenes Land die Gelegenheit, ſeine Geſchichte wieder anzufangen.

Seeine Civiliſirung hingegen wurde, nach einem Briefe üb. Italien. a. Thl. 17

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