253
rung im hoͤchſten Grade empfaͤnglich geworden. Durch die politiſchen Stuͤrme hatten die Charaktere ſich zu einer gewiſſen Kuͤhnheit emporgehoben. Der Fantaſie war durch jene Zeiten Nahrung verſchafft worden, und den Genius der Kuͤnſte ſah man, un⸗ ter ſchmerzlichen Empfindungen uͤber ſeine lange Ver⸗ bannung, aber zugleich auch unter Wonnegefuͤhlen des Wiederſehens, neuerdings in ſein Vaterland ein⸗ gehen.
In dieſen Tagen haͤtte man glauben ſollen, Italien wuͤrde die Hauptſtadt der Welt bleiben, und wenn auch nicht mehr durch kriegeriſche Uebergewalt, doch durch ſeinen claſſiſchen Einfluß den Erdboden beherrſchen. Allein ſeine Voͤlker verſtanden es nicht, eine Civiliſirung der Sitten anzunehmen: die Ver⸗ feinerung des Geiſtes und der Tatente war es, bey welchen ſie ſtehen blieben. Dieſer Art von Sitti— gung aber geht etwas Verfuͤhreriſches und Verweich⸗ lichendes im Gefolge, das den Voͤlkerſchaften Grie⸗ chenlands und Italiens ihren Untergang bereitet hat. Die vortrefflichſten Plaͤne und Unternehmungen ſind in Italien ohne Erfolg geblieben, weil es den Be⸗ wohnern dieſes Landes an der zur Ausfuͤhrung der⸗ ſelben erforderlichen ſittlichen Kraft fehlte. Sie ver— gaßen es, daß unter den Metallen das Eiſen das edelſte, das Silber aber das veraͤchtlichſte ſey. Von der Zeit an waren ſie nicht mehr im Stande, ſich durch ein edelmuͤthiges Anfraffen zu vereinigen, noch
——


