Teil eines Werkes 
2. Theil (1821)
Entstehung
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weil jede Generation ihre Gewohnheiten, Meinun⸗ gen und Geſetze gleichſam vermaͤchtnißweiſe auf die naͤchſtfolgende uͤbertraͤgt. Der Menſch von Geburt an athmet in dieſer Athmoſphaͤre; ſeine Gefuͤhle werden mit derſelben geſchwaͤngert; und die Civiliſi⸗ rung kann daher nicht anders vorwaͤrts ſchreiten,

als unter dem gedoppelten Einfluſſe der Gegenwart.

und der Vergangenheit.

Hierin iſt auch der Grund enthalten, warum eine ganze Nation niemahls mit Einmuth eine Ab⸗ aͤnderung des ganzen Syſtemes der Civiliſirung, un⸗ ter welchem ſie lebt, beſchließen wird. Nur Ver⸗ wuͤſtungen, wie ſie den Tritten des Eroberers im Gefolge gehen, Verzweiflung der Voͤlker, oder re⸗ ligioͤſer Fanatismus koͤnnen dergleichen große Abwei⸗ chungen vom gewoͤhnlichen Gange des Menſchenge⸗ ſchlechts bewirken.

Die Roͤmer, als ſie vom Schauplatze Italiens abtraten, hinterließen ihren Nachkommen jene aͤu⸗ ßerſte Verdorbenheit, die ſie ſelbſt wehrlos gemacht und dem Schwerte Odoakers uͤberliefert hatte, zum Erbtheil. Dieſe ſpaͤtern Geſchlechter duldeten es, daß jene alten Wohnſitze glaͤnzenden Ruhmes von den Barbaren uͤberſchwemmt und uͤberwaͤltigt wur⸗

den, ohne an einen Widerſtand zu denken: denn

ſie hatten es verlernt, ſich gegen den Feind zur Wehr zu ſtellen. Jene Barbaren verpflanzten demnach ihre Herr⸗