13
den Zauber begreiflich, der die muͤßige Sorgloſigkeit des Einwohners an ſie feſſelt. In dieſen milden Gegenden zeigt die Natur ſich dem Landmanne nir— gends karg oder unfruchtbar. Keine Blume pfluͤckt er hier, aus der ihm nicht ein Wohlgeruch entgegen
„lichſten Düfte zu mir herſtrömten, und ein Citronen⸗Wald, „der längs dem abſchüſſigen ufer amphitheatraliſch ſich erhob, „und aus welchem in gewiſſen Entfernungen von einander weiße „Säulen emporſtiegen, mir in's Auge fiel. Dieſe, auf einem „weiten Raume unter einander gemengten Bäume und Sänten, „dazu ein das ufer beherrſchender Pallaſt im ſchönſten Geſchmacke, „und die batſamiſche Luft, die ich einathmete;— das alles ſchien „mir ein Feen⸗Land zu verkünden. Dieſe ſchöne Gegend heißt „Boliago, und der Pallaſt ſelbſt gehört einem gaſtfreundlichen und „achtungswerthen Greiſen, dem Grafen Bettoni von Brescia. „Der ganze Wald beſteht aus zwanzig bis dreyßig Fuß hohen Ci⸗ „tronen⸗Bäumen, und die aus demſelben hervorragenden Gneiß⸗ „Säulen haben das Dach zu tragen, womit im Winter die ganze „Anlage vor dem Froſte geſchützt wird.“
„Auch die ganze Umgegend iſt reichlich mit Citronen⸗Bäumen „beſetzt.“
„Nichts Prächtigeres als dieſe Citronen⸗Bäume am Fuße der „Alpen. Der ſchöne Wuchs der Bäume beweiſ't, daß, ungeach⸗ „tet die Citronen⸗Bäume nordwärts von den Apenninen nur „kümmer ich gedeihen, und ſelbſt in der Lombardie und im ſudli⸗ „chen Frankreich, mit Ausnahme einzelner, vorzügtich günſtiger „Lagen, nicht zum beſten fortkommen wollen, ſie ſich dennoch „hier, ungefähr unter dem 460, bey der Art, wie ſie behandelt „werden, recht wohl befinden. Da ſie in Form eines Amphi⸗ „theaters geſetzt ſind, ſo wird die Ausſicht durch ſie nur wenig „beſchränkt. Ueberall ſieht man die Fluthen des Sees zwiſchen „ihrem dunkeln Laube hindurchblinken, und von eben den Ter⸗ „raſſen, von denen ihr Gezweige herabgrünt, erblickt man im „Norden die Hochgebirge, ſüdwärts die ſchönen Ufer des Garda⸗ „Sees und die ſeinen funkelnden Waſſerſpiegel verzierenden In⸗ „ſeln.“ A. d. Ueb.—


