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pelle faͤllt, vermoͤge ihrer gefaͤlligen Formen, ange⸗ nehm in die Augen. Jeder Weiler, bis zum ge⸗ woͤhnlichſten Pachthof hinab, iſt mit einer Art von baͤueriſcher Eleganz aufgebaut, auf welche die Italiaͤ⸗ ner eben keinen beſondern Werth ſetzen, weil ihr Auge an ſie gewoͤhnt iſt, und durch dieſelbe bloß die allgemeine Landesſitte befolgt wird.
Dieſer uͤberall verbreitete Sinn fuͤr das Schick⸗ liche in der Baukunſt kann ſich einzig von der lang⸗ wierigen Herrſchaft von Gewohnheiten herſchreiben, fuͤr welche ſich waͤhrend des Verlaufes ſo mancher Jahrhunderte in Italien gleichſam ein Nationalge⸗ ſchmack gebildet hat. Das erſte Volk, bey welchem jener Sinn ſich zu Tage legte, waren die Roͤmer. Unter der Regierung Leo X. begannen die Tage je⸗ nes fruͤhern Gluͤckes von neuem zu leuchten, und von ſeinem Jahrhundert an hat ſich in dem alten Vaterlande der Kuͤnſte gleichſam durch Uebergabe von einem Geſchlecht an das andere, jenes edle Vorrecht, das Land durch architectoniſchen Schmuck verſchoͤnern zu duͤrfen, erhalten. Denn die Baukunſt iſt, wie Sie wiſſen, eine poſitive Wiſſenſchaft, deren Mei⸗ ſterwerke nach Belieben koͤnnen nachgeahmt und ver⸗ ewigt werden; waͤhrend hinwieder Raphael das Ge⸗ heimniß ſeines Pinſels allein gebannt und beſeſſen, auch nicht vermocht hat, dasſelbe irgend Jemandem als Erbtheil auf der Welt zuruͤck zu laſſen.
Das Koͤnigreich Neapel iſt den Zeiten, welche


