5
den Geſchmack fuͤr die ſchoͤnen Kuͤnſte in Italien wie⸗ der erſtehen geſehen haben, fremd geblieben. Schon im eilften Jahrhundert von den Normaͤnnern ero⸗ bert, ward jenem Staate von Seite der Sieger keine andere Frucht ſolcher Eroberung zu Theil, als un⸗ feine Sitten und die Einfuͤhrung des Feudal⸗Sy⸗ ſtems nach allen ſeinen Beſtandtheilen. In Kraft eben dieſes Syſtems hatte ſich auch der geſellſchaft⸗ liche Zuſtand des Mittelalters unveraͤndert in jenem Reiche erhalten, und noch vor kurzem war Neapel der Ort, wo ſich die Inſtitutionen ſowohl, als die Fol⸗ gen jenes Zuſtandes am beſten ſtudieren ließen. Sehr langſam hingegen iſt unter den Schwie⸗ rigkeiten, die jene Gothiſchen Einrichtungen in den Weg legten, die neuere Sittigung von Europa in jenes Koͤnigreich eingedrungen. Noch jetzt traͤgt da⸗ ſelbſt alles das ſichtbare Gepraͤge einer Epoche an ſich, die dieſen Uebungen und Sitten der neuern Tage, der Zeit nach, voraus geht, und ſo ſuͤdlich das Land liegt, ſo hat es gleichwohl, vermoͤge deſſen, daß die menſchliche Induſtrie eine kraftvolle Natur noch nicht hat bemeiſtern moͤgen, ein wildes Ausſehen und biethet ein Gemaͤhlde dar, dergleichen der Erd⸗ boden wenig aͤhnliche liefert. Es leben naͤhmlich mitten in den fruchtbaren Auen von Neapel ganze Familien in verfallenem Mauerwerk. In den Um⸗ gebungen dieſer Haushaltungen herrſcht eine ſolche Unordnung und Nachlaͤſſigkeit, daß ihr Zuſtand an


