— 191—* nicht auf lange.— Nach wenigen Monden ſchon kehre ich zuruͤck,— und die Freude des Wiederſehens wird den kurzen Schmerz der Trennung reichlich aufwiegen.“—
Wie kalt waren dieſe Worte fuͤr das gluͤhende Herz der Seherin, die da glaubte, der Himmel habe Caſtruccio auserwaͤhlt, ihn mit ihr zu ver⸗ einen— der heilige Geiſt habe ihren Bund ge⸗ ſegnet!— Der Wahn war zerſtoͤrt!— ſie er⸗ ſchien ſich jetzt nur noch als ein Spielwerk ſeiner muͤßigen Stunden. Ihr Herz, ihre ganze Seele, Alles, Alles hatte ſie ihm geopfert.— Er hatte nur das Werthloſeſte angenommen, das Uebrige aber in die Winde geſtreuet!— Die Rede des Geliebten brachte ihr demnach Ver⸗ zweiflung, aber keinen Troſt. Schweigend ſchuͤt⸗ telte ſie ihr Haupt. Caſtruccio ſprach wieder und wieder;— viele Worte aber ſind gefaͤhrlich, wo es etwas zu verbergen gilt. Mit jeder Sylbe, welche ſeinen Lippen entſchluͤpfte, ward ihr die furchtbare Wirklichkeit immer mehr und mehr entſchleiert. Sie ſchwieg; aber begierig ſog ſie


