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Die Tochter des Verbannten
Entstehung
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beſaß dabei eine reizende Natürlichkeit, wel⸗ che jenen fehlte, und eine Bildung, welche die Lebensweiſe in Athen von den Bewoh⸗ nerinnen dieſer Stadt fern hielt. Sie horchte mit Entzücken, wenn Alcibiades Athen und deſſen Feſtlichkeiten ſchilderte, und ſprach ihre Gefühle überhaupt mit einem ſo arglo⸗ ſen Vertrauen aus, daß dadurch der Zauber ihrer Reize noch unendlich vermehrt wurde. Einfach, jeder Verſtellung unfähig, machte ſie keinen Verſuch, ihre Freude ob der Nähe eines Jünglings zu verhehlen, der ſo ganz in ihre Empfindungen einging. In ihrer Zu⸗ rückgezogenheit wäre ihr ohne Zweifel das Erſcheinen eines jeden Fremdlings willkom⸗ men geweſen, der mit der Anmuth der Ju⸗ gend die Bildung der feinen Welt vereinte; um ſo leichter alſo mußte der geiſtig und körperlich ſo reich begabte Alcibiades ihr Herz gewinnen.

Die Einſamkeit iſt ſtets der Liebe günſtig. Sie geſtattet ein ungeſtörtes Beiſammenſeyn,