Teil eines Werkes 
2. Theil (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

173

Adele iſt meine Tochter, ſagte Ro⸗ ſalie, das mit ſuͤßer Schaam uͤbergoſſene Haupt an dem Buſen der Schweſter ver⸗ bergend.

Ich wußte es lange, Du Geliebte, ſprach Marie ſanft,wußte es ſchon in Piſa; als einſt das Kind auf Deinem Schooße ſaß und mit den glaͤnzenden ſchwar⸗ zen Augen zu Dir aufblickte, da ſtand das Bild unſerer Kindheit ploͤtzlich vor meiner Seele, denn ſo, eben ſo ſahſt Du oft zu unſerer verklaͤrten Mutter empor, ſo konnte nur Dein Kind zu Dir aufblicken!

Und du ſchwiegſt, Marie!

Ich ſchwieg, weil ich es Dir uͤberlaſſen wollte, die Stunde zu einer ſolchen Mit⸗ theilung zu waͤhlen und nach Deinem eigenen Gefuͤhle zu beſtimmen, und nur dieſer ſeligſte Augenblick meines Lebens riß mich hin; kannſt Du es mir vergeben?

O Marie, habe ich doch Deine Verzeihung anzuflehen, daß nicht ſchon lange mein Herz in Vertrauen zu Dir uͤberfloßl

Beide umarmten ſich herzlich, dann kam der gluͤckliche Wilhelm mit Adelen, die den kleinen Bruder zu ſehen begehrt hatte, denn ſo nannte ſie den Neugebornen, den ſie nicht ſatt werden konnte zu betrachten und zu kuͤſſen; es war in der That ein be⸗ zaubernder Anblick.

Wilhelm fand endlich, was er ge⸗ wuͤnſcht hatte, ein ſchoͤnes Landgut in der Naͤhe von Seethal, und fuͤhrte Gattin