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indem er noch immer ihre Hand nicht los ließ,„Ihr Zartgefuͤhl ſtraͤubt ſich dagegen mir ein getheiltes Herz zu ſchenken, Sie liebten einen Andern, ich weiß es, und ſind zu großſinnig, mich mit dem abfinden zu wollen, was dieſe Neigung Ihnen uͤbrig ließ. Aber laſſen Sie mich Ihre Zweifel durch ein Geſtaͤndnis beſeitigen: auch dieſes Herz liebte einſt in den ſchoͤnen Tagen der Jugend heiß und feurig; die Geliebte war uͤber meinem Stand und fuͤr einen Thron beſtimmt, den ſie jetzt ziert. Die Noth⸗ wendigkeit gebot uns Trennung, wir enk⸗ ſagten einander und es gehoͤrten viele, viele Jahre dazu, bis dieſes Herz von ſeinen Wunden geneſen konnte. So blieb ich bis jetzt unvermaͤhlt, glaubte auf ewig der Liebe entſagt zu haben, bis ich Sie erblickte, bis
Ihr Anblick mich uͤberzeugte, daß eine
Ruͤckehr ſolcher Gefuͤhle dennoch fuͤr mich moͤglich ſey. Ja Roſalie, ich liebe Sie, wie ich die Geliebte meiner Jugend liebte; ſollte denn nun auch bei Ihnen ein gleicher Wandel nicht moͤglich ſeyn?“ Er ſah ihr bei dieſen Worten zaͤrtlich und bittend in die Augen; dann fuhr er fort:„Ich fordere
nicht, daß Sie ſchon jetzt einwilligen die
Meinige zu werden; Ihr Herz muß Zeit haben zu geneſen; ich verlaſſe Sie, ſobald Sie es wuͤnſchen, ja ſelbſt in dieſer Stunde noch! aber geben Sie mir die Hoffnung mit auf den Weg, daß es dereinſt anders
werden koͤnne und Sie mir dann angehoͤren


