Teil eines Werkes 
2. Theil (1825)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

163

Geſtalt am Fenſter erblickte; bald ſtand er vor ihr.

Ein ſanftes Erroͤthen uͤberflog ihre Wange, als er ſie ehrfurchtsvoll begruͤßte, und ihre Hand erzitterte in der ſeinigen, als er ſie an ſeine Lippen fuͤhrte; Roſalie war nie ſchoͤner, nie reizender geweſen, als in dieſem Augenblick, und doch erſchien ſie ihm ſo ganz anders als ſonſt!

Der Schmerz, der ſich bei ihrem letz⸗ ten Zuſammentreffen wie ein beſchattender Schleier uͤber ihre ſchoͤnen Zuͤge ausgebreitet hatte, war ganz verwiſcht und das dunkle, ſee⸗ lenvolle Auge ſtralte in neuem Glanze und neuen Klarheit; ein leichter Anflug von Roͤthe faͤrbte die fruͤher ſo blaſſe Wange wieder, die hohe Stirn war unumwoͤlkt von den Schatten des Grames; aber an die Stelle der un⸗ befangenen Froͤhlichkeit war eine ſanfte Wuͤrde getreten, die Ehrfurcht gebot und

mit Bewundrung erfuͤllte.. DSophie beobachtete Beide mit regem

Intereſſe, denn ſie konnte ſich des Ge⸗ 11*

8