Teil eines Werkes 
2. Theil (1825)
Entstehung
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Bruder nicht, und kann ihn nicht lieben, denn wie unaͤhnlich ſind ſich nicht Beide? wie kann ihn aber dann die Krankheit deſſel⸗ ben ſo ſehr bewegen? Emil iſt in drei Tagen nicht bei mir geweſen, aber er hat mir ge⸗ ſchrieben, daß er nicht kommen koͤnne, weil das Uebelbefinden des Erbprinzen ihn noͤthige, den Hof nicht zu verlaſſen. Welche Liebe, welche Gluth athmen ſeine Briefe! O Emil, verdiene ich denn, daß Du mich ſo liebſt und mir ſo viele, große Opfer bringſt? Ich weiß, daß Deine große, reine Seele jede Art von Verſtellung und Luͤge haßt, und doch haſt Du Dich ihnen jetzt unter⸗ worfen, um mich ungeſtoͤrt lieben zu duͤr⸗ fen! Wie kann ich Dir das vergelten? ſollte ich es je koͤnnen, auch wenn ich mich Dir ganz zum Opfer darbraͤchte?

Den 11ten Juni. Meine Tante iſt jetzt heitrer denn je; die immer mehr zunehmende Krankheit des Erbprinzen, ich weiß es, erfuͤllt ſie mit

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