Teil eines Werkes 
1. Theil (1825)
Entstehung
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Ordnung, worin die Verblichene ſie zu ſe⸗ hen liebte, und waͤhrend Alles im alten Gleiſe fortging und fortbeſtand, war mit der eine ſo große Veraͤnderung vorgegan⸗ gen, die die Seele des Ganzen geweſen war.

Endlich verließ der Baron ſeinen Platz am Sterbebette der Geliebten, um die Fen⸗ ſtervorhaͤnge in die Hoͤhe zu ziehn und dem Lichte des Tags den freien Eingang zu ge⸗ ſtatten; die volle Lichtmaſſe fiel jetzt auf das erkaltete, erbleichte Antlitz und die morgendliche Aurora faͤrbte die Wange der

Geſchiedenen mit einem taͤuſchenden Pur⸗

pur; ſchoͤner war das geliebte Weib nicht geweſen, als er es zum Traualtare fuͤhrte,

und eben ſo ſuͤß wie damals ſchien es zu

laͤcheln! Er bog ſich uͤber die Leiche und hauchte einen leiſen Kuß auf die feſt ge⸗

ſchloſſene Lippe ach! die Eiſeskaͤlte des

Todes weckte ihn ſchrecklich aus dem ſuͤßen Traume, in den dieſer Anſchein von Leben ihn gewiegt hatte! Seine Thraͤnen floſſen es waren die erſten, die dem erſtarrten