149
das keine Sprache zu ſchildern vermag. Dann ſchloß er ſie in ſeine Arme, hauchte den erſten Kuß auf ihre Lippen und ſprach:
—„Wie Du mich, Chriſtine, engelgleiches Weſen, vom erſten Augenblick an geliebt, ſo liebte ich auch, trotz meines Verhaͤltniſſes zu Liuva, nur Dich; nur war ich mir bis jetzt ſelbſt nicht klar und traute mir die Kraft nicht zu, Dich und Deinen Beſitz dem Schickſal abzutrotzen; dieſe Kraft hat mir jetzt Deine Liebe gegeben und ich fordere die Welt heraus, Dich mir noch wieder zu entreißen. Mit den
Vorurtheilen aufgewachſen, die einer Geburt
und einem Stande, wie die meinigen, ankleben wagte ich es nicht, daran zu denken, daß eine Vereinigung zwiſchen uns ſtattfinden koͤnne, und doch bedurfte mein Herz der Liebe. So ſah ich Liuva, in der ſich Alles vereinte, was die Welt ſchaͤtzt und verehrt, und lenkte auf ſie meine Hoffnungen und Wuͤnſche. Doch wohl mir, daß ſie mich verſchmaͤhte; denn trotz ihrer


