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Nun ſchleicht er, wie die ſchauerliche Sage
Seit alten Zeiten in dem Dorfe geht,
Im Graun der Nacht vom zwölften Glockenſchlage, Bis daß der Hahn zum erſten Male kräht.
264.
Er wußte mit der Liebe falſchen Schwüren, Dem Wort der Treue, das er trüglich gab, Das liebetraute Mädchen zu verführen Und brach die Blume ihrer Unſchuld ab.
Still wuchs der Keim an ihrem bangen Herzen, Verzweifelnd ſah ſie ſchon die Schande nah'n,
und ſprach den Mann um Troſt in ihren Schmerzen, um die Erfüllung ſeines Schwures an.
265.
und heuchleriſch mit ſchlangenglattem Worte Verhieß er, Rath und Rettung zu verleihn, Der armen Braut, an abgeleg'nem Orte Im ſtillen Graun der Mitternacht zu ſein. Vertrauend kam das Opfer ſeiner Sünden, Er führte tändelnd ſie am Bach hinab Und ſtieß— wer kann das Menſchenherz ergründen? Die trauende in's kalte Flutengrab.


