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Und wie die Wellen auf dem Weltmeer wallen, So ſchwebt die Seele auf dem Meer der Welt; Die Wellen wogen, wirbeln und zerfallen,
Die Seele ſchwindet und die Form zerſchellt.
19.
Doch in der Formen ſtetem Uebergange Iſt eine ew'ge Ordnung aufgeſtellt, Ein Staubkorn nimm aus dem Zuſammenhange, Und in einander bricht der Bau der Welt; und ruhig in dem wilden Wechſel waltet Der Wandelloſe, der ihn ſicher lenkt, Hier eine Welt zum Lebenslicht entfaltet, Dort in ein Auge Todesſchlummer ſenkt.
20.
So ſpielt mit ſüßen, wunderſamen Klängen In Waldes Nächten eine Sängerinn; Sich ſelber übertreffend in Geſängen, Verſteht ſie nicht der Lieder hohen Sinn; Denn was die Klagen voll Empfindung dichtet Und von den Lippen ſeiner Kreatur Ermahnend an die Menſchenſeele richtet, Das iſt die große Seele der Natur.


