27
fang jener Mode, welche wenige Tage ſpäter in Paris herrſchen ſollte und den Puder vollends aus der Geſellſchaft verbannte. Es war Fräulein von Coigny. Auch ſie hatte das bittere Geſchick getroffen, ihre blühende, kindliche Schönheit wochenlang den düſteren Mauern des Kerkers zu zeigen und Robespierre ſelbſt hatte ſie, wie die junge Demoiſelle von Chamans, dem Tribunal überwieſen mit der Marginalbemerkung:„Sehr royaliſtiſch, obgleich ſehr jung.“ Es war ein eigenthümlicher Zufall, daß ſich ſo im Laufe des Monats Juni alle jene Perſonen in St. La⸗ zare wiederfanden, welche die Soiréen von Verſailles be⸗ ſuchten und von denen wir ſo viele im Salon der Frau Herzogin von St. Aignan kennen gelernt haben. Es lag ein ungemeiner Troſt für Alle in dieſem Umſtand, denn ſo ſetzte ſich das gewohnte Geſellſchaftsleben auch im Ge⸗ fängniß fort.
Fräulein von Coigny war auch hier im Kerker jene friſche, roſige, ſeltſam feſſelnde Erſcheinung, die in den Salons von Verſailles ſo oft ihre magnetiſche Wirkung auf die Männerwelt geübt und von ſo unendlich vielen Verſuchungen umlagert war. In ihr lag etwas Dämoni⸗ ſches, Uebermuth und kindliche Unſchuld, Leidenſchaft und träumeriſche Ruhe. Ihr Blick ſtrahlte vor Vergnügen und Freude, als ſie den Kreis betreten hatte und die ver⸗ ſchiedenen Bemerkungen der Männer hörte, deren Zwei⸗ deutigkeiten viel zu ſehr im Geſchmacke der ariſtokratiſchen


