„Nun, ſo geleite mich und bringe mich in's Refec⸗ torium. Dort finde ich wohl auch Herrn von Chenier?“
„Chenier? Ach ja, der junge finſtere Mann. Ge⸗ wiß, der iſt auch im Refectorium.
Roſa war bereits ins Haus getreten und mehrere Corridore vorausgegangen. Als ſie Brutus vor dem Refectorium ſah, ſagte ſie zu ihm:
„Brutus, hier iſt der Doktor Maury, welcher einige Gefangene beſuchen muß; er hat die Erlaubniß dazu, alſo öffne. Man ſpeiſt doch noch nicht?“
Brutus verneinte und öffnete ohne jeden Anſtand
das Refektorium, in welches Maury allein eintrat.
Es war ein großer hoher Saal. Eine lange und breite Tafel theilte ihn der Länge nach und diente zum Speiſetiſch der Gefangenen. Ohne Tiſchtuch, ſtanden dar⸗ auf eine Menge Zinnteller, Becher, Steingutkrüge und Schüſſeln von blauer Fayence; eichene Holzbänke ſtanden daneben; ſie waren ſchwarz und glänzend vom langen Ge⸗ brauch, an vielen Stellen ausgehöhlt und rochen nach Theer. In großen Körben befanden ſich runde Brode. Plumpe Säulen trugen die eingeräucherte Decke. Längs der blaßgrünen, mit grobem Mörtel beworfenen Wände ſtanden gleichfalls Bänke und Seſſel; die Wände ſelbſt waren zerkratzt, mit Figuren und Namen überdeckt. Die Fenſter waren ſtark vergittert und in ſo tiefen Niſchen, daß trotz der hohen Juliſonne nur ein fahles Dämmer⸗


