32 etwas davon geſagt, ich würde nicht ſo erbittert ſein als jetzt, wo ſie's thut, ohne daß ich etwas davon wußte. Pfui das iſt ſchändlich! Und das Mädel hat dabei ſo dezent gethan, ſo unſchuldig— nicht anrühren mochte ſie ſich laſſen! Wie iſt das nur möglich? Oho, ſoll man ſpäter ſagen: der Gilbert hat die Roſe von St. Lazare zur Frau, die einmal in Lorett die Göttin der Vernunft ge⸗ macht und deren Buſen ich geſehen habe, ſo frei wie ihre Wangen? Nein, ich bin parbleu! der Gilbert und der iſt brav, und aus iſt's nun mit uns, wie mir's auch an⸗ kommt— aus iſt's doch für immer.“
Der arme Burſch hielt Folterqualen aus, aber er war ſtandhaft, er rührte ſich nicht, er ließ Niemanden mer⸗ ken, was in ihm vorging.„Aber nachher gehe ich zu ihr und zu Vater Ricot,“ dachte er bei ſich,„ich werde zu ihr kommen, wenn ſie noch dieſe Kleider auf ihrem Leibe trägt und ſie ſoll hören, was ich von ihr denke.“
Die Muſik ſchwieg jetzt. Eins der Mädchen trat jetzt zu Roſa heran und gab ihr eine brennende Kerze. Mechaniſch nahm die„Göttin der Vernunft“ das Licht in die Hand, erhob ſich mühſam und ſchritt dann, ſichtlich mit Aufbietung aller Kräfte, auf eine mächtige Fackel am Altar zu. Sie zündete ſie an und dann faßte ſie nach der Lehne des Seſſels, um ſich daran aufrecht zu halten, denn ſie war einer Ohnmacht nahe, die Arme. Gilbert bemerkte das ſehr gut und plötzlich blitzte der Gedanke


