Mädchens umfaßt und ihm einen Kuß auf die roſigen Lip⸗ pen gedrückt. Die Arme, zitternd wie eine gehaſchte Taube, ließ es gewähren. Sie ſchien keinen Gedanken dafür zu haben; auf ihrem Geſicht malte ſich nur der Schrecken vor dieſem Manne, das Erſtaunen über ſeine Worte, deren Sinn ihr unklar war, die Ahnung, daß ihr noch Schlim⸗ meres bevorſtehe, als ein Kuß von dieſem widerlichen Prie⸗ ſter der Vernunft.
Vater Ricot, das Schlüſſelbund in der Hand, ſtand noch immer reſpektvoll an der Thür. Er hatte keinen Muth, ſeine Tochter vor den Zudringlichkeiten eines ſo mächtigen Menſchen, wie Chaumette war, zu ſchützen; ja die Worte desſelben hatten inſofern einen Eindruck auf ihn gemacht, als ſie ihn über den eigentlichen Grund des Kommens Chaumette's beruhigten und die ſeiner Tochter zugedachte Ehre dem rohen Gefühl ſeiner Niedrigkeit ſchmeichelte.
Chaumette ärgerte ſich, daß keiner von Beiden ihm antwortete. Nachdem er ein paar Mal auf und ab ge⸗ trabt, um ſeine erſtarrenden Füße zu erwärmen, fuhr er plötzlich heftig auf den Gefangenwärter los:
„Nun, Du Eisbär, was ſtehſt Du da und ſprichſt kein Wort? Warum freuſt Du Dich nicht und bedankſt Dich bei mir?“
Vater Ricot wurde verwirrt.
„Bürger....“ ſtotterte er.
„Ich frage Dich, warum Du Dich nicht freuſt?“ wie⸗


