Teil eines Werkes 
3. Theil (1861)
Entstehung
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häufige Anblick des Elends hatte Sie ſchon unempfindli⸗ cher dagegen gemacht, wiewohl Gutmüthigkeit und Mit⸗ leid unaufhörlich in ihr ſprachen. Aber ſie fühlte ihre Machtloſigkeit, und die Furcht vor dem Vater, der kein Lächeln kannte, leitete ihre Handlungen. Nur wenn ſie Gelegenheit fand, die Lage einer der Gefangenen ohne Verletzung der Pflicht zu erleichtern, ſo that ſie es und oft mit einer Gefälligkeit, die an Aufopferung gränzte. Sie beſorgte Briefe, wenn man ſie darum bat; ſie ver⸗ ſchaffte den Gefangenen von ihren Angehörigen Kleider; ſie erreichte es zuweilen, daß ſie Beſuche erhalten durften, und für Alles dieß konnten die Meiſten ſie nicht belohnen. Ja, ſie that noch mehr ſie ſang zuweilen auf dem Hof des Gefängniſſes mit ihrer friſchen Stimme ein improvi⸗ ſirtes Lied, welches ziemlich deutlich die Ereigniſſe mit⸗ theilte, die draußen ſtattgefunden. Es ward von den Ge⸗ fangenen verſtanden und ſo erhielten ſie durch die ſchel⸗ miſche Gutmüthigkeit dieſes Mädchens oft wichtige Zei⸗ tung von draußen. Sie war Republikanerin mit Leib und Seele, weil es ſo ſein mußte, und doch hatte ſie Mit⸗ leid mit den Feinden der Republik, die im Kerker ſaßen.

S ie hatte ihrem Vater das kärgliche Mittagseſſen hinausgetragen und der Alte legte für einige Minuten ſein Schlüſſelbund an ſeine Seite, ließ das Schloß los, nahm die Schüſſel auf ſeine mit einem dicken Schafpelz be⸗ deckten Kniee und. Roſa wartete ſtumm auf das Ende des Mahles.