6 leuchteten unſchuldig und etwas ſchelmiſch; ihre Naſe und ihre Lippen hatten noch kindlichen Ausdruck; ihr Wuchs aber war üppig und eine volle Büſte ruhte auf dem ſtol⸗ zen Schwung ihrer Hüften. Zugleich fiel in dieſem ſchmu⸗ tzigen Aufenthalt die außerordentliche Sauberkeit auf, mit der ſie gekleidet war. Ein rothwollenes Kleid preßte ſich um ihre vollen Formen, eine weiße Haube, garnirt mit einer großen Trikolore, ſaß auf ihrem vollen dunklen Haar. Es war des Gefängnißwärters einziges Kind, Gil⸗ berts Geliebte, Roſa, allgemein im Viertel wegen ihrer Friſche und Lieblichkeit„die Roſe von St. Lazare“ ge⸗ nannt. Ihre Anweſenheit in dieſem traurigen Aufenthalt hatte etwas doppelt Auffallendes; ſie paßte viel eher in die Freiheit der Wieſen, unter Blumen und Halmen, als in dieſes düſtere Gemäuer, an der Thür von St. Lazare, wo die Gefangenen hereingeführt und durch ihren Anblick an die Freiheit bitter gemahnt wurden. Welch' eine Grau⸗ ſamkeit, dieß hübſche, roſige Kind in einem Gebäude woh⸗ nen zu wiſſen, wo Unglückliche weinten und ſeufzten! Am Morgen wachte ſie auf durch das Geraſſel der Karren, die ihre Ladung für die Guillotine nahmen— zitternde Greiſe und Frauen, noch in der Kleidung der Salons, aus denen ſie die Schergen geholt; ſtolze Männer und Jungfrauen, ſtrahlend in der Schönheit der Jugend und in der Ver⸗ klärung der Todeserwartung.
Roſa wohnte in der That in dem Gefängniß und der


