5 wohl wir am Eingangsthor ein viel anziehenderes Bild hätten betrachten können.
Hinter dieſem Thor nämlich und deſſen furchtbaren Eiſenbeſchlägen und Riegeln ſaß der Gefangenwärter in einem jener ungeheuren, groben Seſſel, deren Lehne man vermittelſt von an den Seiten befindlichen Eiſenzähnen nach Belieben zurücklegen kann. Es war ein„Großvater⸗ ſtuhl“ der alten Art, aus dem ſich im Nu ein Bett ma⸗ chen läßt und die man heut noch in ſchlichten Haushal⸗ tungen und auf dem Lande ſieht. Hier pflegte der Wärter zu ſchlafen und zu wachen; hier war ſein Bett und ſein Stuhl, ſeine Wohnung, ſo lange er ſich auf dem Poſten befand, und das war immer der Fall. Gegen Hitze und Kälte gleichgiltig, ſaß der rauhe, ewig mürriſche Mann hier Tag um Tag und Nacht um Nacht, öffnete auf das
Klopfen mechaniſch hundertmal des Tages das Thor, prü⸗
fend, wer eintrat, unerbittlich und unermüdlich in ſeiner Pflichterfüllung. In der einen Hand hielt er ſtets das rieſige Schlüſſelbund, die andere lag faſt immer auf dem ungeheuren Schloß des Thores, um ſogleich öffnen zu können.
„Hinter ſeinem Lehnſtuhl ſtand ein junges Mädchen, die Hände in den Taſchen ſeiner kleinen Schürze; denn es war ein ziemlich kalter Dezembertag und zwei Tage vor dem Weihnachtsfeſt 1793. Sie war eine liebliche Erſcheinung; friſch blühten ihre Wangen, ihre Angen


