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„Aha,“ rief ein junger Mann ironiſch.„Nur keine Ammenmärchen, Freund! nur nicht noch Nebel und Träume vor dem Schlaf! Behalten wir unſern Verſtand bis mor⸗ gen. Ich habe nichts dagegen, wenn man Religion hat, und wer glauben will, mag glauben, daß ein Menſch gött⸗ lich wurde. Ich glaube nur an die denkende Vernunft und auch dieſe gibt mir Troſt, ſicheren, beſſeren, als den aus Wundergeſchichten für die Menge ohne Verſtand gemacht.“
„Ich,“ ſprach ein Anderer,„ich halte Chriſtus für einen göttlichen Zeugen der menſchlichen Vernunft. Er war der Girondiſt für die Unſterblichkeit.“
„Genug, meine Freunde,“ rief Vergniand wieder. „Glauben wir, was wir wollen, aber ſterben wir unſeres
Lebens und des Preiſes unſeres Todes gewiß! Geben wir
ein Jeder als Opfer hin, was wir haben, der Eine ſeinen Zweifel, der Andere ſeinen Wunderglauben, Alle unſer Blut, Alles für die Freiheit!“
Die Meiſten ſtanden jetzt von der Tafel auf. Das graue Tageslicht kreuchte außen an der Mauer herab, bis ans Fenſter und ſchaute oben durch den hohen Bogen trüb herein. Die Kerzen brannten röthlicher und ihr Licht ward bleich.
9. Auß⸗ ſagte Einer der Zweiundzwanzig.„Auf, laßt uns ſchlafen!“ Das Leben iſt ſo wenig, daß keine Stunde Schlaf verloren gehen darf.“
„Laßt uns wachen!“ ſprach ein Anderer.„Die


