Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
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Ewigkeit iſt ſo gewiß und furchtbar, daß tauſend Leben nicht hinreichen würden, um ſich darauf vorzubereiten.

Die Meiſten warfen ſich wirklich auf die Matratzen, doch ſchlummerten nur wenige von ihnen ein.

Der Prieſter trat ein, um den Beiſtand der Religion zu ertheilen.

Etwa die Hälfte ließ ſich den Segen ertheilen und beichtete zum letzten Male.

So war es zehn Uhr geworden.

Da traten die Scharfrichter ein, um die Köpfe der Verurtheilten für das Fallbeil in Bereitſchaft zu ſetzen und ihre Hände zu binden. Alle kamen von ſelbſt und die Toilette begann. Das Haar fiel unter der Scheere der Henker von jedem Kopf der Zweiundzwanzig.

Ehe die Stricke um ihre Hände gelegt wurden, ſand⸗ ten die Meiſten ihre letzten Grüße an die Theuren, die ſie zurücklaſſen ſollten. Faſt Alle hatten ja einen Namen, eine Freundſchaft, eine Liebe, ein Bedauern, das in dieſer letzten Stunde ihr Herz bewegte; faſt Alle hatten etwas bei ſich, was ſie als Reliquien von ſich denen ſenden könn⸗ ten, in deren Andenken ſie fortleben wollten. Der Eine gab dem Prieſter, der noch immer im Saale war, hier tröſtete, dort die Beichte abnahm, eine Locke ſeiner ab⸗ geſchnittenen Haare für die Frau, für die Kinder, die erſt in ſpäteren Jahren begreifen würden, weshalb ſie den Va⸗ ter ſo früh verloren. Der Andere ſandte ſeinen Ring der