Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Plötzlich öffnete ſich die Thür und der Gefangen⸗ wärter ließ einen großen eichenen Tiſch, bedeckt mit Schüſ⸗ ſeln, Speiſen, Weinen, ſeltenen Blumen und zahlreichen Kerzen hereintragen.

Ah, rief Vergniaud,das iſt das Todtenmahl, das uns Bailleul verſprochen. Kommt, Freunde! Laßt uns die Nacht bei Wein und Geſpräch verbringen. Es iſt das letzte Mahl, das letzte Glas, das wir zuſammen nehmen.

Der Deputirte Bailleul, ein Girondiſt, geächtet, aber in Paris verborgen, hatte den Zweinndzwanzig ver⸗ ſprochen, ihnen am Tage des Urtheils von Außen her, je nach dem Spruche, ein Triumph⸗ oder ein Todtenmahl bereiten zu laſſen, zur Feier ihrer Freiheit oder ihres To⸗

des. Er hatte ſein Wort gehalten, das Todtenmahl her⸗

richten laſſen, den Luxus des Abſchieds den Freunden über⸗ ſandt. Man verweigerte den Verurtheilten den vollen Genuß dieſer reichen Tafel nicht. Noch gedrückt von den Empfindungen, welche die letzten Stunden in ihnen aufgerufen, ſetzten ſich die Gi⸗ rondiſten an die Tafel. Der Tod ſaß mit ihnen zu Gaſte und ließ eigentlichen Frohſinn nicht aufkommen. Vergniaud, der in der Mitte der Tafel ſaß, präſi⸗ dirte hier mit der nämlichen ruhigen Würde, die er wäh⸗ rend der bedeutungsvollſten Sitzungen im Convent, am 10. Auguſt, wo der König geſtürzt, am 31. Mai, wo ſeine eigene Partei vernichtet wurde, bewahrt hatte. Er