Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
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Der Letzte der Zweiundzwanzig, der kam, war Vergniaud.

Eine allgemeine Bewegung entſtand bei ſeinem An⸗ blick, denn in den Augen Aller beſaß dieſer Mann einen Nimbus, der ihn mehr und mehr aus den Reihen der Ge⸗ wöhnlichkeit in die des Außerordentlichen getragen hatte. Man kannte dieſen zürnenden Gott von der Tribüne des Convents her; man erwartete von dieſer Hauptperſon der Gironde auch hier in ihrem tragiſchen Höhepunkte etwas Außerordentliches. Die Menge im Zuſchauerraum, ſonſt ſo feil und gefühllos wie ein Theaterpublikum, hatte für dieſen Mann kein anderes Gefühl als das der Achtung, der Scheu; als ſie ihn ſah, beleidigte ſie ihn durch ihr Mitleid. Denn Vergniaud bot nicht den Anblick des ſtol⸗ zen, jupiteriſchen Weſens dar, das man in ihn hineingelegt hatte; ſeine Haltung war kraftlos, nicht aus Entmuthi⸗ gung, ſondern aus Müßiggang und Unachtſamkeit. Der Kerker hatte überdies Alles von dieſer Geſtalt genommen, was ihr Aeußeres impoſant machen konnte. Alle Bewe⸗ gungen waren ſchwerfällig; ſein Gang war ſchleppend, ſein Auge matt und ausdruckslos, ſein Antlitz welk und gedunſen, ſeine fahle Stirn von jenem Fettglanz bedeckt, welche von der Krankheit des Körpers zeugt. Und an die⸗ ſen ewig ſeuchten Schläfen klebten die Haarlocken, wodurch ſein Kopf einen vollends unſchönen Charakter erhielt. Er trug denſelben blauen Rock mit langen hängenden Schö⸗

1861. 45. Apoll von Byzanz. II. 12