Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
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anderer und trocknete ſeine Thränen, damit ſie Niemand ſähe. Valazeé beſaß den ungeduldigen Todesmuth eines nach dem Martyrium Verlangenden. Man ſah es ihm an, daß er nur eine Sorge kannte, die, vielleicht nicht ver⸗ urtheilt zu werden.

Vergniaud ſeinerſeits ſchien ebenſo unbekümmert um ſein Leben zu ſein, aber er hatte keinen Fanatismus der Auf⸗ opferung. Heiter bald, bald ernſt, ungezwungen, zuweilen lächelnd, öfters nachdenklich, redete er wenig und ſchien in vornehmer Nonchalance, ohne Haß wie ohne Schmerz die Tage zu verleben, deren gezwungener Müßiggang ſeinem Charakter nicht ſo ſehr widerſtritt. Seine ſtarke Seele, ſein prophetiſcher, aber träger Geiſt ließen ihm nur wenig Gefühl für ſich ſelbſt. Allein und trübſinnig auf ſeinem elenden Bett oder im Hof der Conciergerie, warf er zu⸗ weilen einen jener Blitze ſeiner Beredſamkeit in die Unter⸗ haltung, welche er ſo blendend und ſo oft von der Tribüne des Convents herabgeſchleudert. Dann ſchlummerte er ein oder ſchien doch zu ſchlummern. Sorglos in ſeiner äußern Haltung, wie ein Menſch, der ernſt ſeine eigne Lage beurtheilt, ſie beherrſcht und der ſeinem Leben Zer⸗ ſtreuungen gönnt bis zu der Stunde, wo die Pflicht ruft, erſchien er als der kälteſte der Girondiſten, weil er ihr be⸗ wußteſter war. Er hatte Gift bei ſich, um dem Schaffot entgehen zu koͤnnen; am Vorabend des Tages, an welchem der Prozeß eröffnet wurde, warf er das Gift in den Hof,