Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

172

das Haupt der Königin von Frankreich unter dem wilden Jubelruf des entarteten Volks.

Die Girondiſten waren jetzt die Blüthe der Gefan⸗ genen in der Conciergerie: ihr Prozeß ward die Staats⸗ angelegenheit der Republik. Und ſie wußten es, dieſe ſtol⸗ zen, geiſtvollen, meiſt ſchwärmeriſchen Republikaner von platoniſchem Edelmuth; ſie traten in den großen, vier⸗ eckigen, mit hohen Mauern umgebenen Hof der Concier⸗ gerie, wo ſie den Tag über mit den übrigen Gefangenen zuſammentrafen, als die Herren und die Elite auf, die Elite des Todes, der ſie Alle gleich machen ſollte. Ihr ſtill anerkannter Chef war Vergniaud, um ihn ſchaarten ſie ſich, ihm wieſen ſie noch hier die Ehre zu, der Erſte un⸗ ter ihnen zu ſein. Und auch Vergniand wußte, was er be⸗ deutete. In ſeinen zerfetzten Kleidern trug er das Haupt ſtolz wie ein König und als ihn einſt ſein zehnjähriger Neffe beſuchte, ſprach er zu ihm:

Mein Kind, ſieh mich recht an. Wenn Du ein Mann geworden biſt, wirſt Du ſagen, Du habeſt Vergniaud, den Gründer der Republik, in der ſchönſten Zeit und in der glorreichſten Tracht ſeines Lebens geſehen, wie er die Ver⸗ folgung von Böſewichtern erduldete und ſich vorbereitete zum Tod ſür die freien Männer.

Es waren die ſchönen Schwärmer von früher, die hier, im düſteren Hof der Conciergerie, die Träume der Politik fortſpannen. Sie debattirten unter der kleinen