Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ah ja, o das iſt koöſtlich, Madame! rief Herr von St. Aignan aus.Ich kam zu Mittag zu Herrn von Che⸗ nier, der aber mit ſeinem Bruder zuſammen war. Sie ſprachen über das neue Stück, welches der jacobiniſche Marie⸗Joſeph gemacht, Fénslon. So viel ich hörte, ſoll es zur Mäßigung mahnen, wie denn der Dramatiker der Revolution in der That viel weniger ſchrecklich iſt, als er erſcheint. Aber er iſt Republikaner und da hört alle Ein⸗ tracht mit uns auf. Als er fort war, bombardirte ich Andre wegen heut Abend, faßte ihn bei ſeinem Ehrgeiz als Poet und ſprach von der Nachwelt. Wie immer ergoß er ſich in Spott darüber, war auch ſonſt der alte düſtere, verſchloſſene und widerhaarige Charakter. Zum Glück kam Pieini dazu und nun drang ich darauf, daß ſich André für mich malen laſſe. Pieini nahm Papier und Bleifeder und trotz alles Polterns und Scheltens begann er das Portrait. Aber Chénier wollte ihm durchaus ſeine Arbeit verderben; er marſchirte im Zimmer auf und ab, drehte uns den Rücken, bückte ſich kurz und gut, ſetzte Alles daran, dem Maler das Zeichnen unmöglich zu machen. Nun muß man jedoch Picini's Meiſterſchaft kennen; es genirte ihn durchaus nicht und nach einer halben Stunde war dies Portrait fertig. Selbſt André wunderte ſich darüber und ich ſah es ihm an, wie es ihm ſchmeichelte, als ich ſagte, ich wolle es für meine Gemahlin haben. Er legte ein paar Blätter Gedichte dazu, verſprach mir, heut Abend zu kommen, und