Teil eines Werkes 
2. Theil (1861)
Entstehung
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leicht um Blumen für das Grab Valeriens zu kaufen. Denn von dem kühnen Zug André's und Jean's nach der Salpétriére war nichts bekannt geworden; kaum Einige, die wußten, daß Chenier die Geliebte während der Sep⸗ tembergräuel aus dem Kerker überhaupt befreit.

Sie legte die Blätter wieder zuſammen, ſtand auf und ſchloß ſie in eine Schatulle. Dann rückte ſie ein Taͤbouret an den Kamin und ſchaute träumeriſch in die Flamme. Es dunkelte, eine trauliche Dämmerung ſtieg hernieder.

Ob er wohl kommen wird? ſprach ſie wieder vor ſich hin. Sie hatte ihn perſönlich bitten laſſen, ihre heu⸗ tige Soirée zu beſuchen. Der Herzog ſelbſt war deshalb zu Chenier gegangen. André wußte nicht, daß Leontine von St. Aignans Herz mehr als in Freundſchaft für ihn ſchlug, keine Ahnung war darüber je in ihm aufgerufen worden. Und Leontine erröthete hier beim Schein der Kaminflamme, als ſie ſich dabei ertappte, zu prüfen, ob es wohl mehr als Freundſchaft ſei, was ſie für den Herrn von Chénier empfinde? Der Antheil an dem jungen, ſtolzen, und doch ſo unglücklichen Dichter ja, das war's, was ſie endlich als das Motiv ihrer Gedanken an ihn aufſtellte, als wenn der Blick nicht ſagte, daß ſie ſelber nicht an dieſe Motivirung glaube! In ihrem Innern klangen noch die Saiten, welche die Poeſie André's dort angeſchlagen und ſtill, andächtig lauſchte ſie auf dieſes Auszittern wie auf