Teil eines Werkes 
1. Theil (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

158

ſchwach das Wort hervorzuſtoßen, erkannte man, daß ſie wachte, daß ſie fieberte und noch lebte.

Endlich ermannte ſich der Arzt und trat an das Bett der Kranken. Er beobachtete ſie eine lange Zeit und ſcharf, dann erfaßte er eine ihrer weißen, durchſichtigen, feuchten Hände und hielt ſie in der ſeinigen. Die Uhr tickte fort; jetzt ſchlug ſie aus: es war zwei Uhr Morgens.

Wie elektriſirt von dem feinen Timbreſchlag zuckte Maury zuſammen; dann ließ er die Hand Valeriens wie⸗ der aufs Bett fallen. Er legte die ſeinige dann auf die Schulter des regungslos daſtehenden André und mit einem tiefen, tiefen Seufzer hauchte er zitternd die Worte aus:

Es iſt vorbei, mein Freund ſie ſtirbt!

André rührte ſich nicht. Aber Urſula, welche die Worte vernommen, ſank auf einen Stuhl und ſchluchzte. Valerie's Leben machte den letzten Kampf. Ihr Körper begann dann heftig zu zittern; ſie öffnete weit und groß ihre Augen und es ſchien, als wenn der Feuerſtrom in ihnen aus der plötzlich wiedergefundenen Fähigkeit des Erkennens hervorgeſtiegen ſei. Denn ſie richtete ihren Blick von überirdiſcher Helle auf den Arzt, auf André und auf Urſula, ihre Lippen bewegten ſich, als wolle ſie reden, ſie verſuchte ihr Haupt auf dem Kiſſen emporzuheben dann aber ſank ſie wie erſchopft zuſammen, die Muskeln ſpann⸗ ten ſich ſchnell ab, ihr Blick brach und halb ſanken die Lieder über ihre Augen. Nur ihre Hände bewegten ſich