Teil eines Werkes 
1. Theil (1861)
Entstehung
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156 Doktor Maury war furchtbar verändert. Der ſonſt

ſo ſtolz emporgerichtete Mann ging gedrückt; ein ſchwerer⸗

Kummer blickte aus ſeinen Augen; der ſanfte Ernſt ſeiner Züge war dem Ausdruck unendlicher Wehmuth gewichen. Was ihm, dem geſchickteſten Arzt, der tief in die Wiſſen⸗ ſchaft gedrungen, möglich geweſen, zur Erhaltung dieſes theuren Lebens aufzubieten, das war längſt geſchehen; er ſtand nun rathlos da mit ſeinem Wiſſen und ſeiner Kunſt, ſich verzehrend in dem Grübeln nach einem neuen Mittel, um dies raſende Fieber zu hemmen, ehe es den letzten Reſt dieſes Herzens verzehrt habe. Umſonſt, um⸗ ſonſt! der unglückliche Mann wußte keine Hilfe mehr; verzweiflungsvoll wandte er ſich von dem Anblick Vale⸗ riens ab, um die ſchrecklichen Kämpfe dieſes theuren We⸗ ſens nicht mehr zu ſehen. Das war wohl ein herbes Ge⸗ ſchick, die Tochter, das einzige Kind nach ſo langer Tren⸗ nung wieder zu finden, um dann ſeine Todesqual zu ver⸗ folgen, wiſſend, daß nur ein Wunder ohne Gleichen noch zu helfen vermochte! Das war wohl ein ſchwerer, ver⸗ nichtender Schmerz, nach der aufgerufenen Hoffnung ſie jäh und für immer gebrochen zu ſehen. Er ſaß da in dem Fauteuil, der unglückliche Vater, die Hände auf ſeinem Geſicht, im eigenen Schmerz ſich erbarmungslos ver⸗ zehrend.

Am Bett ſtand André Chenier. Auch dieſe gedrun⸗ gene kräftige Geſtalt hatte ihre Spannkraft verloren; der