Herzensleben hat! Wie gern entbehrt ein Weib, wenn es ſich nur reich an Liebe weiß! Wie heiß mußte Valerie nach Liebe verlangen, ſie, die noch nie dieſe Wonne des Herzens gekannt und deren Jugend und Natur ge⸗ waltſam danach verlangte!
Der Marquis Dupleſſis, bejahrt, ernſt, gleich nach der Verheirathung überdies gänzlich von den politiſchen Ereigniſſen erfüllt, war unmöglich ein Mann, der dem Ideal entſprechen konnte, welches ſich eine junge phanta⸗ ſiereiche Frau für den Cultus ihres Herzens ſchafft. Er ſtarb zum Glück ein Jahr nach ſeiner Verheirathung, ehe noch ſeine Gattin ganz begriffen, wie wenig er ihr genügt und ehe ſie einer jener Verführungen verfiel, welche ſie zahlreich umlagerten.
So war Valerie mit neunzehn Jahren ſchon Witwe, ohne daß ſie bisher Geliebte und Frau geweſen. Treu hielt ſie ihr Trauerjahr ein, dann erſt beſuchte ſie wieder Geſellſchaften. Die beiden Todesfälle, beſonders der letztere, hatte zu wenig ihr Herzensleben berührt, als daß ſie weſentlich auf ihr Temperament hätten einwirken kön⸗ nen. Sie war noch immer das jugendlich⸗leidenſchaft⸗ liche Weib mit einem Herzen voll Sehnſucht und einem göttlichen Blick voll Feuer..
Im Salon des Marquis von Paſtoret hatte ſie zum erſtenmale André von Chenier kennen gelernt. Als der Blick Beider ſich traf, flammte im Nu die Liebe in den Herzen empor. Auch André war eine Natur, wie die


