Teil eines Werkes 
1. Theil (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Weſen ihr gänzlich ähnlich. Von ihrem Vater hatte ſie nur die dunklen Erinnerungen früheſter Kindheit und er war, wie ihr die Mutter erzählt hatte, geſtorben, als ſie vier Jahre zählte. Darauf hatte die Gräfin von Lapla⸗ tioͤre ihr Schloß in der Gascogne bezogen und einſam auf demſelben mit ihrem Kinde gelebt. Mit fünfzehn Jahren ſchon kam Valerie in ein Kloſter, um dort ihre Erziehung zu vollenden, wie es bei den ariſtokratiſchen Familien Frankreichs zu jener Zeit Sitte war; als ſie es mit ſieb⸗ zehn Jahren verließ, hatte die Mutter für ſie einen Ge⸗ mahl erwählt; Valerie mußte, ohne daß man ihr Herz be⸗ fragte, den ſchon ziemlich bejahrten Marquis Dupleſſis heirathen und ging mit ihm nach Paris.

Gleich in den erſten Monaten ihrer Ehe erhielt Va⸗ lerie die Nachricht von dem plötzlichen Tode ihrer Mutter. Ihr war die gegen ſie nicht beſonders zärtlich geſinnte Frau in den letzten Jahren noch fremder wie ſonſt gewor⸗ den, und wiewohl es ſie heftig ergriff, ſich von nun eine Waiſe zu wiſſen, linderte ſich der Schmerz um dieſen Ver⸗ luſt doch ſehr bald. Ihre Ehe ſelbſt war nicht glücklich. Sie war reich, unbeſchränkt in ihren Ausgaben; alles, was den Stolz einer jungen ſchönen Frau bildet, Putz, Schmuck, Luxus, glänzende Geſellſchaften, ja ſogar An⸗ beter beſaß ſie, und doch reichte dies alles nicht hin, die Marquiſe glücklich zu machen. Wie ſchnell wird man auch den Genüſſen des Reichthums ſatt, wenn man kein