Sie ſitzt jetzt in der Ecke eines Sophas, beleuchtet von dem Glanz dreier Kerzen, die ein ſchwerer ſilberner Armleuchter auf einem ſeitwärts ſtehenden Tiſch empor⸗ hält. Sie ſcheint zu träumen; dieſer Geiſt, den man ſich nur rege und leidenſchaftlich, feurig bis zur Exeentrieität denken kann, ſcheint von einem großen Gedanken plötzlich überwältigt zu ſein. Stören wir Sie nicht, dieſe ſanft hingeſchmiegte Geſtalt, von ſo zarten und doch ſo ſchwellen⸗ den Formen, mit dieſem antiken, von brennenden, jetzt wie Diamanten leuchtenden Augen belebten Geſicht, um⸗ flattert von einem dunklen Haar, das in loſen Ringeln auf einen herrlichen Hals und eine zarte Büſte fällt.
Die ganze Umgebung begünſtigt dieſes Verſunken⸗ ſein Valeriens. Die flackernde Glut im Marmorkamine durchwärmt behaglich das große, hohe Zimmer, deſſen Ausſtattung ganz im reichen Stile der Renaiſancezeit ge⸗ halten iſt. Die dunklen geſchnitzten Möbel ſind mit ſil⸗ bergrauem Damaſt bezogen; ein türkiſcher Teppich be⸗ deckt den Boden; die der jungen Frau gegenüber befind⸗ liche Thür iſt, ebenſo wie jedes der hohen Fenſter, mit ſchweren, faltenreichen Seidenvorhängen verhüllt. Ueber⸗ all begegnet dem ſpähenden Auge ein durchgebildeter, edler und ariſtokratiſcher Geſchmack, nirgends Ueberladung, wenn auch bis in's Kleinſte hinein ein luxuriöſer Comfort.
Valerie war die Tochter der Gräfin von Laplatiére, ihr einziges Kind und in leidenſchaftlichem, ſtürmiſchem


