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Der Schiffscapitain : eine Erzählung für Jung und Alt / von Ferdinand Schmidt
Entstehung
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Es war mir geſtern Abend nicht möglich, mich um die gewöhnliche Zeit niederzulegen. Das Geſchehene hatte mir die Seele zu ſehr aufgeregt. Ich pegab mich auf das Ver⸗ deck und ſetzte mich dort am Maſt nleser. Niemand ſtörte mich hier in meinen Betrachtungen. Lebhaft ſtand die Trauerſcene vor meinen Augen; die verhüllte Leiche, die trauernden Eltern, im Kreiſe die ernſten Matroſen und andre Theilnehmende. Und ſolche Scene konnte geſtört werden von Mitgliedern unſrer Geſellſchaft! Ich ge⸗ dachte ihres Hohnlachens, ihrer frivolen Bemerkungen, ihrer tollen Geſänge. Alles dies gab mir viel zu denken. Es iſt wahr, wir haben unſer Vatexland verlaſſen, um frei zu wer⸗ den von mancherlei Voruipheilen und Mißbräuchen. Doch wo hat dieſe Freiheit ihre Grenz en? Verwirft ſie jeden heiligen Gebrauch? 8es Kindes gedachte ich mit Lebhaftigkeit, des Kindds nir ſo lieb geweſen war. Silbern funkelte das des Mondes und der Sterne in den Wogen. Welch' eine grauſfge Tiefe aber ſagte ich mir verbirgt der glänzende Meeresſpiegel? Ich gedachte der Schillerſchen BalladeDer Taucher, die ich in der Schule gelernt hatte:

Es freue ſich, Was da lebet im roſigen Licht; Da unten aber iſt's fürchterlich, Und der Menſch verſuche die Götter nicht Und begehre nimmer und nimmer zu ſchauen, Was ſie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen.

Das traurige Schauſpiel wiederholte ſich in meiner

Phantaſie. Ich ſah die Leiche ſinken, tiefer und inmer tiefer Der Schiffacaͤitain.