19
beide zuſammen und ſtießen Laute der Ueberraſchung
und des Schreckens aus.„Der Herr!“ ſtammelte
Staſi,„mein Mann!“ ſeufzte die Frau.„So reißt kein
anderer Chriſtenmenſch an der Glocken an. Geh
hinaus und mach' ihm auf, damit er nicht auch noch warten muß, ſonſt kommt er gleich ganz aus dem
Häuſel.
„Ich trau' mich nit“, ſagte die Magd,„ich muß auch nach dem Eſſen ſchauen— es wird beſſer ſein, die Frau geht ſelber und macht auf.“
„In Gottes Namen“, rief dieſe;„ohne Sturm geht's. heut doch nicht ab, alſo muß man's halt aushalten!“ Sie ging langſam über den breiten Hausflur, deſſen Ziegelpflaſter nur von dem in der Höhe angebrachten Lichteinfall halbdämmerig beleuchtet war, während die Köchin in die Küche ſchlüpfte, von draußen aber die Stimme des Wartenden ungeduldig hörbar wurde. „Holla!“ rief er und trommelte mit der Fauſt an die Thür.„Was gibt'’s denn Wichtiges auf dem Ratſch⸗ markt darinnen, daß man mich warten laßt wie einen Bettelſtudenten mit ſeinem Koſthafen?“
Im nächſten Angenblick war der Riemen mit dem Thürriegel zurückgezogen und der Angekommene ſchritt brummend über den breiten Vorplatz dem Wohnzimmer zu. Die Frau folgte raſch, nahm ihm Hut und Stock,
2*


