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Mir für meinen Theil macht es Vergnügen, manchmal einen Bekannten zu beſuchen, dem ein Zufall eine verſchleuderte Theatergarderobe zugeworfen und der das befremdliche Beſitzthum dadurch zu verwerthen ſucht, daß er zur Faſtnachtszeit ein paar Stuben mie⸗ thet und die Gewänder zu Mummerei, Schanzlaufen und anderer Luſtbarkeit ausleiht. Da hängen dann auf Stricken gereiht die bunten Gewänder lockend und wartend nebenein ander: der Kaftan des Türken nebſt Turban und hölzernem Krummſäbel und der verſchoſſene Rittermantel mit falſchen Silberborten, die Kochlerjoppe ſammt Spitzhut und Gemsbart des Bergjägers und daneben der rothe Rock, das ſchwarze Mieder und die bebänderte Goldhaube der Bäuerin aus dem Schwaben⸗ land. Manchmal ſaß ich abends ein halbes Stünd⸗ chen in dem anſtoßenden Kabinet und ergötzte mich daran, ungeſehen die Leute zu beobachten, welche da kamen, um eine Maskenwahl zu treffen, ſowie die Art
und die Gründe dieſer Wahl zu erforſchen. Gab es
doch mancherlei Anlaß, der bis in die Tiefen des Gemüths oder der Denkweiſe blicken ließ, denn hier, wo er im Sinne hatte, eine künſtliche Larve vorzu⸗ binden, gab ſich Niemand die Mühe, die ſonſt tagüber getragene Gewohnheitsmaske zu wahren. Da opferte
die Eitelkeit eines ſtämmigen Geſellen mehr als den 5


