219 geweſen und ſich's zurecht gelegt hatten, wie ſie von
der Leber weg reden wollten, wenn ſie vor den fürſt⸗
lichen Perſonen ſtünden, ſo ſehr war dennoch beiden
der Muth in den Brunnen gefallen, und ihre Angſt
und Verworrenheit ſtieg deſto mehr, je ſichtbarer in den Mienen der Kurfürſtin zu leſen war, daß die Nach⸗ richt von Zuleima's Verſchwinden ſie nicht blos mit Verdruß, ſondern mit offenbarer Entrüſtung erfüllte. Umſonſt verſuchte Max Emanuel ſie damit zu be⸗ ruhigen, das Mädchen könne unmöglich weit gekommen ſein und werde wohl bald wieder aufgefunden ſein. ſie konnte und wollte ihren Zorn nicht verbergen; ſie erhob ſich von der Tafel und trat mit den Cheleuten und ihrem Gatten beiſeite.„Man hoffe nicht mich zu täuſchen“, unterbrach ſie dieſelben,„und mich durch falſche Vorſpiegelungen irre leiten zu wollen! Das Mädchen hat recht gethan, wenn es aus einem Hauſe entfloh, wo ihm Gewalt angethan werden wollte; wenn ich ſo glücklich bin, ſie wiederzuſehen, ſoll ſie mir erzählen, was man ihr zu Leide gethaun, und dann werde ich ein Wörtchen mit dem Hochmuth reden, dem mein Pflegekind zu gering geweſen zur Schwiegertochter. Nimmer aber werde ich glauben, daß ſie ſich ſelbſt ver⸗ borgen hält, nein, ſie wird irgendwo mit Gewalt zu⸗ rückgehalten! Sie iſt offenbar irgend einem Räuber in


