231
derſelbe Mann, der es gewagt, ihm jenen übermüthigen Abſagebrief zu ſchreiben, dennoch insgeheim das Haupt der Aufrührer geweſen, daß er ſich heuchleriſch am Sterbebette der Mutter verborgen und hinterher feig und kleinmüthig von ſeiner That hinweggeleugnet. Entſchloſſen raffte er ſich dann aus ſeinem Trübſinn auf und blickte nach den gefüllten Freudenbechern, welche von gefälligen Händen ihm von allen Seiten kredenzt wurden.
„Ich bin ein Grillenfänger“, ſagte er, ſich raſch aufrichtend.„Geſchehenes iſt nicht zu ändern, und wenn ein Unrecht begangen wurde, ſo wäre es ein noch größeres Unrecht, es wäre unverzeihliche Schwäche, das Geſchehene zu bereuen. Fort alſo mit der Nacht, mit all ihrem Dunkel und ihren Geſpenſtern! Ich wende mich dem Tage zu, ſeinem hellen Lichte, ſeiner bunten Farbe, ſeinem fröhlichen Leben!“
Er zog die Klingel, und der Oberkammerdiener Bornemann trat ein. Schnell ward auf den Wink des Fürſten die Lampe beſeitigt; die Rollvorhänge ho⸗ ben ſich, der Glanz der winterlichen Morgenſonne ſtrömte in das Gemach und verſcheuchte die düſtern Gedanken nächtlicher Einſamkeit; was davon nicht zu verſcheuchen war, was greifbar und körperlich zurück⸗ blieb, wie auf dem Schreibtiſch die Blutſentenz, das


